Begriffe und Definitionen

Ausgabenträger | 
Bevölkerung |  Bruttoanlageinvestitionen |  Bruttoinlandsprodukt |  Bruttowertschöpfung | 
Einwohner |  Erwerbstätige | 
Gesundheitsausgaben |  Gesundheitsausgabenrechnung (GAR) |  Gesundheitsmarkt |  Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen (GGR) |  Gesundheitspersonal (Beschäftigte) |  Gesundheitspersonalrechnung (GPR) |  Gesundheitswesen |  Gesundheitswirtschaft | 
Klassifikation der Wirtschaftszweige | 
Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft | 
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen | 
Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz |  Wirtschaftszweigklassifikation | 


Ausgabenträger

Als Ausgabenträger werden in der Gesundheitsausgabenrechnung alle öffentlichen und privaten Institutionen bezeichnet, die Leistungen für die Gesundheit finanzieren. Das sind in Deutschland die Öffentlichen Haushalte, die Gesetzliche Krankenversicherung, die Soziale Pflegeversicherung, die Gesetzliche Rentenversicherung, die Gesetzliche Unfallversicherung, die Private Krankenversicherung, die Arbeitgeber sowie die Privaten Haushalte und die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck.

Bevölkerung

Als Bevölkerung (Einwohner) wird die Anzahl der Personen bezeichnet, die an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten territorialen Einheit (Gemeinde, Kreis usw.) ihren ständigen Wohnsitz (Hauptwohnsitz) hat. Nicht einbezogen werden die Angehörigen ausländischer, diplomatischer und konsularischer Vertretungen sowie der Stationierungsstreitkräfte mit ihren Familienangehörigen. In der Gesundheitsausgabenrechnung (GAR) sowie beim Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz (WSE) wird grundsätzlich mit den Jahresdurchschnittszahlen der Einwohner gearbeitet. Bei der Gesundheitspersonalrechnung (GPR), die auf dem Stichtagsprinzip zum 31.12. eines Jahres basiert, finden hingegen die Einwohnerzahlen zum 31.12. eines Jahres Verwendung.

Es werden für die Berechnungen die aus der Bevölkerungsstatistik des Statistischen Bundesamtes verfügbaren Ergebnisse auf Basis des Zensus 2011 genutzt.

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Bruttoanlageinvestitionen

Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb abzüglich der Verkäufe von Anlagegütern durch gebietsansässige Produzenten, um diese wiederholt oder kontinuierlich länger als ein Jahr im Produktionsprozess einzusetzen. Sie werden im Rahmen der Verwendungsrechnung des Bruttoinlandsprodukts nachgewiesen. Die Bruttoanlageinvestitionen ergeben sich aus Zugängen und Abgängen von neuen und gebrauchten Anlagegütern. Zu den Zugängen zählen im Wesentlichen gekaufte Anlagegüter, selbsterstellte Anlagen, im Rahmen von Finanzierungs-Leasing erworbene Anlagegüter sowie erhebliche Verbesserungen am Anlagevermögen (z.B. werterhöhende Reparaturen) und das natürliche Wachstum von Nutztieren und Nutzpflanzungen. Zu den Abgängen rechnet vor allem der Verkauf gebrauchter Anlagegüter, nicht jedoch Abschreibungen oder außerordentliche Verluste, z.B. aufgrund von Naturkatastrophen.

Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) umfasst die Produktion von Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Wirtschaftsgebietes (Inland), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Von seiner Entstehung her gesehen ergibt sich das Bruttoinlandsprodukt als Summe der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftszweige zuzüglich des Saldos von Gütersteuern minus Gütersubventionen. Das Bruttoinlandsprodukt gilt als Indikator der wirtschaftlichen Gesamtleistung, die innerhalb einer Periode im Inland erbracht wurde.

Bruttowertschöpfung (BWS)

Die Bruttowertschöpfung (BWS) ergibt sich als Differenz aus den Produktionswerten und den Vorleistungen in den einzelnen Wirtschaftszweigen und umfasst den im Produktionsprozess geschaffenen neuen Wert. Die Bruttowertschöpfung wird zu Herstellungspreisen nachgewiesen.

Im Rahmen der VGR wird die finale Produktion jedes Berichtsjahres in einem Wirtschaftsgebiet einerseits zu jeweiligen Preisen und andererseits zu Vorjahrespreisen bewertet. In den Veränderungen der nominalen BWS (in jeweiligen Preisen) sind neben Mengen- (Volumen-)änderungen auch Preisänderungen enthalten. Insbesondere für langfristige Vergleiche ermöglicht die preisbereinigte BWS (in Vorjahrespreisen), die tatsächliche mengen- (volumen-)mäßige Entwicklung darstellen zu können.

Im Rahmen des WSE wird die BWS der Wirtschaftszweige näher betrachtet, die ganz oder teilweise zur Gesundheitswirtschaft gerechnet werden. Sie wird sowohl zu jeweiligen Preisen als auch zu Vorjahrespreisen ermittelt, wodurch sich auch das preisbereinigte Wachstum im Betrachtungszeitraum ausweisen lässt.

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Einwohner

Bevölkerung

Erwerbstätige

Als Erwerbstätige (Inland) werden alle Personen angesehen, die innerhalb eines Wirtschaftsgebietes einer Erwerbstätigkeit oder mehreren Erwerbstätigkeiten nachgehen, unabhängig von der Dauer der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden wöchentlichen Arbeitszeit. Nach der Stellung im Beruf wird unterschieden zwischen Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen sowie Arbeitnehmern (Angestellte, Arbeiter, marginal Beschäftigte und Beamte). Bei der Ermittlung der Erwerbstätigenzahl wird das Personenkonzept zugrunde gelegt. Das bedeutet, dass Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen nur einmal mit ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst werden.

Im Rahmen des WSE wird die Zahl der Erwerbstätigen jener Wirtschaftszweige näher betrachtet, die ganz oder teilweise zur Gesundheitswirtschaft gerechnet werden.

Gesundheitsausgaben

Zu den Gesundheitsausgaben zählen alle Ausgaben für Leistungen und Waren, die gemäß System of Health Accounts 2011 folgende, nach Wichtigkeit aufgeführte Kriterien erfüllen.

    1. Das vorrangige Ziel einer Leistung oder Ware ist es, den Gesundheitsstatus von Individuen, von Teilen der Bevölkerung oder der gesamten Bevölkerung zu verbessern, zu erhalten oder die Verschlechterung des Gesundheitsstatus zu verhindern und die Folgen von Krankheiten zu mildern.
    2. Die Ausübung der Leistung oder die Anwendung der Ware setzt medizinisches oder pflegerisches Wissen, oder die Aufsicht von Personen mit diesem Wissen voraus. Zudem sind Leistungen der Verwaltung oder der Steuerung des Gesundheitswesens und dessen Finanzierung eingeschlossen.
    3. Die Leistung oder Ware dient dem Endverbrauch von Gesundheitsgütern und -leistungen der Einwohner.
    4. Es werden Gesundheitsgüter oder -leistungen transferiert.


Nach dieser Abgrenzung zählen in Deutschland Leistungen und Güter mit dem Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege, sowie Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens zu den Gesundheitsausgaben. Damit gehören beispielsweise Ausgaben für ärztliche Vorsorgeuntersuchungen oder für pflegerische Leistungen, die Pflegebedürftigen in Pflegeheimen zugute kommen, eindeutig zu den Gesundheitsausgaben. [Vgl. 1]

Räumlich bezieht sich die Erfassung der Gesundheitsausgaben dabei auf die Käufe der inländischen Bevölkerung (die gegebenenfalls auch im Ausland getätigt werden können). Inhaltlich werden nur die Ausgaben für den letzten Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen erfasst. Transaktionen zwischen Leistungserbringern, z.B. die Lieferung von Arzneimitteln von pharmazeutischen Großhändlern an Apotheken, bleiben unberücksichtigt. [Vgl. 2]


[1] Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Wiesbaden (2015): Gesundheit - Ausgaben - Fachserie 12 Reihe 7.1.1., S. 3.

[2] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Wiesbaden (2015): Gesundheit - Ausgaben - Fachserie 12 Reihe 7.1.1., Qualitätsbericht Gesundheitsausgabenrechnung. 2015. Wiesbaden. S. 4.

Gesundheitsausgabenrechnung (GAR)

Die Gesundheitsausgabenrechnung (GAR) auf Bundes- und Länderebene sind sekundärstatistische Rechenwerke, in denen die im Bereich des Gesundheitswesens verfügbaren Datenquellen - wie Daten aus der amtlichen Statistik, Verwaltungsdaten, Geschäfts- und Jahresberichte - zusammengeführt werden. Es werden auf Bundesebene die Gesundheitsausgaben ermittelt und nach Ausgabenträgern, Leistungsarten und den diese Leistungen erbringenden Einrichtungen gegliedert und in sachgerechten Klassifikationen dargestellt. Auf Länderebene werden die Gesundheitsausgaben nach Ausgabenträgern ermittelt. Damit wird in der Gesundheitsausgabenrechnung der gesamte volkswirtschaftliche Ressourcenverbrauch ermittelt, der im Laufe eines Jahres für den Erhalt und die Wiederherstellung der Gesundheit aufgewendet wurde.

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Gesundheitsmarkt

Eine weitere Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft unter dem Aspekt der Finanzierung unterscheidet zwischen einem ersten und zweiten Gesundheitsmarkt.

Der erste Gesundheitsmarkt umfasst Güter und Dienstleistungen, die im Rahmen eines solidarischen Finanzierungssystems erstattet werden. [Vgl. 1] Hierzu gehören auch Zuzahlungen, denn dadurch werden Güter und Dienstleistungen finanziert, die zu einem wesentlichen Teil von der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung getragen werden.

„Der Zweite Gesundheitsmarkt umfasst alle gesundheitsrelevanten Dienstleistungen und Waren, die aus privaten Konsumausgaben finanziert, also nicht von einer privaten oder gesetzlichen Krankenkasse im Rahmen der Vollversicherung ganz oder teilweise übernommen oder durch staatliche Mittel finanziert werden. Zuzahlungen zählen demnach nicht zum Zweiten Gesundheitsmarkt.“ [Vgl. 1]

[1] Erstellung eines Satellitenkontos für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Abschlussbericht, 30. November 2009, S.45. Ausführende: Roland Berger; Strategy Consultants: Karsten Neumann (Projektleitung), Michael Baur, Sabine Ottmann; TU Berlin: Klaus-Dirk Henke, Anja Georgi, Jan Bungenstock; BASYS: Marcus Schneider, Thomas Krauss, Uwe Hofmann

Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen (GGR)

Die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen (GGR) sind Rechenwerke, die sich mit Fragestellungen der Gesundheitswirtschaft beschäftigen und gegenwärtig noch entwickelt werden. Sie halten Informationen zu Art und Umfang der erbrachten Leistungen und der dafür eingesetzten Ressourcen sowie zu zukünftigen Entwicklungstendenzen in der Gesundheitswirtschaft bereit. Die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen geben somit Auskunft über die Leistungsfähigkeit und wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft.

Wesentliche Schritte zur Ausgestaltung von Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen stellen zum einen der Aufbau der Gesundheitsausgabenrechnung (GAR) und der Gesundheitspersonalrechnung (GPR) sowie zum anderen des Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatzes (WSE) für die Gesundheitswirtschaft dar. Zur Herstellung der Verbindung zwischen diesen und weiteren Bereichen der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen bedarf es noch methodischer Arbeiten.

Um die Komplexität der Gesundheitswirtschaft adäquat berücksichtigen zu können, werden die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen als Satellitensystem zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) entwickelt. Perspektivisch wird mit Hilfe von Erkenntnissen aus diesem Satellitensystem eine Qualitätsverbesserung einzelner Komponenten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen angestrebt.

Gesundheitspersonal (Beschäftigte)

Die in der Gesundheitspersonalrechnung ausgewiesene Zahl der Beschäftigten basiert auf dem Stichtagsprinzip zum Jahresende. Sie umfasst alle im Gesundheitswesen tätigen Personen, unabhängig davon, welchen Beruf sie ausüben. Unter Gesundheitspersonal (Beschäftigte) werden Beschäftigungsverhältnisse gefasst, sodass Personen mit mehreren Arbeitsverhältnissen in verschiedenen Einrichtungen auch mehrfach gezählt werden.

Zum Gesundheitspersonal in der Gesundheitspersonalrechnung zählen im Einzelnen Selbstständige und ohne Entgelt mithelfende Familienangehörige sowie Arbeitnehmer. Als Arbeitnehmer zählt, wer zeitlich überwiegend als Arbeiter, Angestellter, Beamter, Richter, Berufssoldat, Soldat auf Zeit, Wehr- oder Zivildienstleistender bzw. Bundesfreiwilligendienstleistender bzw. Praktikant in einem Arbeits- bzw. Dienstverhältnis steht. Eingeschlossen sind auch Heimarbeiter und ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte. Um Beschäftigungsverhältnisse auszuweisen, werden in der GPR zusätzlich ausschließlich im Nebenjob geringfügig entlohnte Beschäftigte berücksichtigt. Dem Gesundheitspersonal werden auch zugeordnet: Erkrankte, Urlauber und alle sonstigen vorübergehend Abwesende, Streikende und von Aussperrung betroffene Personen, solange das Arbeitsverhältnis nicht gelöst ist.

Nicht zum Gesundheitspersonal gezählt werden ehrenamtlich Tätige, Auszubildende sowie Beschäftigte, die als Beauftragte aus anderen Bereichen in Einrichtungen des Gesundheitswesens tätig sind. Dies können z. B. Handwerker sein, die Reparaturen in einem Krankenhaus durchführen, deren Arbeitgeber aber ein Handwerksunternehmen ist.

Gesundheitspersonalrechnung (GPR)

Die Gesundheitspersonalrechnung (GPR) ermittelt die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse im Gesundheitswesen. Sie liefert detaillierte Angaben über die Anzahl und die Struktur des Gesundheitspersonals nach Einrichtungsarten. Es werden neben den Beschäftigungsverhältnissen insgesamt auch die Anzahl der weiblichen Beschäftigten und die Vollzeitäquivalente im Gesundheitswesen ausgewiesen. Tätigkeiten aus dem Gesundheits-, Sozial- oder Umweltbereich fließen dann ein, wenn sie primär der Sicherung, der Vorbeugung oder der Wiederherstellung von Gesundheit dienen. Unberücksichtigt bleiben jene Beschäftigte, die die Gesundheit nur im weiteren Sinne fördern. Die Beschäftigten werden zum Stichtag 31.12. des jeweiligen Berichtsjahres nachgewiesen.

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Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen bildet (zusammen mit dem Sozialwesen) den Hauptbestandteil der Gesundheitswirtschaft mit der stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung. Es umfasst - in der Abgrenzung nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008) - sämtliche Tätigkeiten von Akut- und Langzeitkrankenhäusern, allgemeinen oder Fachkliniken, chirurgischen, psychiatrischen und Suchtkrankenhäusern, Sanatorien, Einrichtungen der Präventivmedizin, Heil- und Pflegeanstalten, Rehazentren, Leprakliniken und sonstigen Einrichtungen des Gesundheitswesens, die über Unterbringungsmöglichkeiten verfügen und die in der Diagnose sowie der medizinischen Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einer großen Bandbreite heilkundlicher Therapien tätig sind.

Diese WZ-Abteilung umfasst ferner Konsultations- und Behandlungstätigkeiten von praktischen Ärztinnen und Ärzten bzw. Fachärztinnen und Fachärzten. Eingeschlossen sind auch allgemeine und spezielle Zahn-, Mund- und Kieferbehandlung und Kieferorthopädie. Zudem umfasst diese WZ-Abteilung alle humanmedizinischen bzw. heilkundlichen Tätigkeiten, die nicht in Krankenhäusern oder von Ärztinnen und Ärzten bzw. psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten, sondern von Angehörigen der Gesundheitsfachberufe, die die rechtliche Befähigung zur Behandlung von Patientinnen und Patienten besitzen, ausgeübt werden. [Vgl. 1]

Die Abgrenzung sowie die Gliederungen des Gesundheitswesens, die der Gesundheitsausgaben- und der Gesundheitspersonalrechnung zugrunde liegen, sind mit den internationalen Klassifikationen "International Classification of Health Accounts (ICHA)" des System of Health Accounts (SHA) der OECD harmonisiert.

Gemäß SHA 2011 umfasst das Gesundheitswesen sämtliche Tätigkeiten mit dem primären Zweck, den Gesundheitszustand einer Person unter Anwendung von qualifiziertem medizinischem Wissen zu verbessern, zu erhalten oder dessen Verschlechterung zu verhindern, außerdem jegliche Tätigkeiten, die die Folgen von Krankheiten mildern.


Dazu gehören die:


Bei der Durchführung der oben genannten Tätigkeiten wird ein grundlegendes Niveau von medizinischen, heilmedizinischen und pflegerischen Kenntnissen vorausgesetzt. [Vgl. 2]

Die nationale Gliederung nach Ausgabenträgern ist grundsätzlich mit der Klassifikation der ICHA-HF (Health Financing) und die nationale Gliederung nach Einrichtungen mit der Klassifikation ICHA-HP (Health Provider) kompatibel. [Vgl. 3, 4]

Der Gesundheitsausgabenrechnung der Länder liegt die Klassifikation nach Ausgabenträgern zugrunde. Nach dieser Abgrenzung werden auch der Pflegebereich, die betriebliche Gesundheitssicherung und gesundheitliche Maßnahmen zur Wiedereingliederung in das Berufsleben dem Gesundheitswesen zugeordnet.

Im Rahmen der Gesundheitspersonalrechnung erfolgt die Abgrenzung des Gesundheitswesens über die Gliederung der Einrichtungen. Es werden sieben Einrichtungsarten unterschieden: Gesundheitsschutz, ambulante Einrichtungen, stationäre und teilstationäre Einrichtungen, Rettungsdienste, Verwaltung, sonstige Einrichtungen und Vorleistungseinrichtungen. Insgesamt bilden die ersten sechs Einrichtungen das Gesundheitswesen i.e.S., in dem Güter und Dienstleistungen für die Endnachfrage produziert werden. Die Vorleistungseinrichtungen des Gesundheitswesens als siebte Einrichtung - dazu zählen die pharmazeutische, medizintechnische und augenoptische Industrie, aber auch der Großhandel und die Handelsvermittlung sowie medizinische und zahnmedizinische Laboratorien - müssen getrennt von den anderen Einrichtungen betrachtet werden. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen i.e.S. und in den Vorleistungseinrichtungen des Gesundheitswesens bilden das Gesundheitspersonal. [Vgl. 4]

[1] Statistisches Bundesamt Wiesbaden (2008): Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008, S. 518.

[2] OECD, Eurostat, WHO (2011): A System of Health Accounts 2011, OECD Publishing, Seite 52 f.

[3] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Wiesbaden (2015): Gesundheit - Ausgaben - Fachserie 12 Reihe 7.1.1. Qualitätsbericht Gesundheitsausgabenrechnung 2015. S. 4.

[4] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Wiesbaden (2016): Gesundheit - Personal - Fachserie 12 Reihe 7.3.1. S. 4.

Gesundheitswirtschaft

Nach Auffassung der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft umfasst die Gesundheitswirtschaft die „Erstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit dienen“ (vgl. Ergebnisbericht „Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft 2005“ [*.pdf]).

Die Gesundheitswirtschaft, in der Abgrenzung der AG GGRdL, berücksichtigt die Erstellung und Vermarktung jener Güter und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung der Gesundheit dienen und von den verschiedenen Ausgabenträgern im Gesundheitswesen (z. B. gesetzliche und private Krankenversicherung oder soziale Pflegeversicherung) ganz oder teilweise erstattet werden.

Den Hauptbestandteil der Gesundheitswirtschaft bildet das Gesundheitswesen (und Sozialwesen) mit der stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung. Um diesen gruppieren sich zahlreiche wirtschaftliche Akteure aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Handel sowie aus weiteren Wirtschaftszweigen, die mit dem Thema „Gesundheit“ verbunden sind.

Die Gesundheitswirtschaft ist aus statistischer Sicht ein Querschnittsbereich.

Auf Länderebene ist aufgrund der Datenlage zurzeit nur eine wirtschaftszweigbezogene Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige in tiefster wirtschaftsfachlicher Gliederung (so genannte Unterklassen [WZ-5-Steller-Ebene]) möglich. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in mehreren Wirtschaftszweigen nur ein Teil der dort produzierten Güter und Dienstleistungen gesundheitsrelevant ist. Demzufolge ist zwischen Wirtschaftszweigen, die vollständig und solchen, die nur teilweise der Gesundheitswirtschaft zuzuordnen sind, zu unterscheiden. Abgrenzungen der Gesundheitswirtschaft liegen sowohl nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2003 (WZ 2003) [*.pdf], als auch nach der aktuellen Wirtschaftszweigklassifikation (WZ 2008) [*.pdf] vor. Die hier verwendete Abgrenzung nach der WZ 2008 wurde von der Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen der Länder im Zuge der Einführung der WZ 2008 in der amtlichen Statistik erarbeitet und zuletzt geringfügig präzisiert. Bezüglich der Bestimmung der genannten gesundheitswirtschaftsrelevanten Wirtschaftszweige lehnt sich dieser Ansatz an die Gesundheitsausgabenrechnung des Bundes nach Leistungsarten an. Zur Gesundheitswirtschaft werden gegenwärtig 37 Wirtschaftszweige [WZ-5-Steller-Ebene] gezählt, wobei davon 27 vollständig und 10 teilweise der Gesundheitswirtschaft zugeordnet werden können.

In der Literatur [Vgl. 1] wird die Gesundheitswirtschaft unter dem Aspekt einer güterbezogenen Abgrenzung ebenfalls in einen Kernbereich und eine erweiterte Gesundheitswirtschaft differenziert.

Der Kernbereich der Gesundheitswirtschaft orientiert sich an den Abgrenzungen in der Gesundheitsausgabenrechnung. Er umfasst die Produktion und Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen, die im Gesundheitswesen üblicherweise für den Erhalt und die Wiederherstellung von Gesundheit erforderlich sind. Die Gesundheitswirtschaft der AG GGRdL und der Kernbereich der Gesundheitswirtschaft des güterbezogenen Ansatzes sind weitgehend identisch abgegrenzt.

Die erweiterte Gesundheitswirtschaft umfasst Produkte und Dienstleistungen, die einen gesundheitsrelevanten Bezug haben und über den Kernbereich hinausgehen. Dazu gehören z. B. Produkte aus den Bereichen Wellness, Nahrung, Kleidung sowie Dienstleistungen im ärztlichen (alternative Heilmethoden) oder nichtärztlichen Bereich (Präventionskurse). [Vgl. 2]

[1] Henke, K.-D.; Neumann, K.; Schneider, M. et. al., 2010. Erstellung eines Satellitenkontos für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

[2] Erstellung eines Satellitenkontos für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Abschlussbericht, 30. November 2009, S.45. Ausführende: Roland Berger; Strategy Consultants: Karsten Neumann (Projektleitung), Michael Baur, Sabine Ottmann; TU Berlin: Klaus-Dirk Henke, Anja Georgi, Jan Bungenstock; BASYS: Marcus Schneider, Thomas Krauss, Uwe Hofmann.

Klassifikation der Wirtschaftszweige

Die Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ) dient dazu, Daten, die sich auf statistische Einheiten (u. a. Unternehmen und Betriebe) beziehen, entsprechend deren wirtschaftlichen Tätigkeiten einheitlich einzuordnen. Sie stellt die Grundlage für die Erstellung von vergleichbaren Statistiken in wirtschaftsfachlicher Gliederung dar. Die derzeit aktuelle Klassifikation der Wirtschaftszweige; Ausgabe 2008 (WZ 2008), fußt auf der statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE Rev. 2), deren Anwendung rechtsverbindlich mit der Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates vom 20. Dezember 2006 vorgeschrieben ist. Diese Systematik basiert ihrerseits auf der internationalen Systematik der Wirtschaftszweige (ISIC Rev. 4) der Vereinten Nationen.

Die WZ 2008 ist hierarchisch aufgebaut und gliedert sich in 21 Abschnitte, 88 Abteilungen, 272 Gruppen, 615 Klassen und 839 Unterklassen (WZ-5-Steller), so dass eine statistische Zuordnung aller wirtschaftlichen Tätigkeiten möglich ist. Gegenüber der zuvor angewandten Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2003 (WZ 2003), kam es zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Wirtschaftsbereiche, wobei vor allem die Dienstleistungsbereiche betroffen sind. Detaillierte Informationen zur Klassifikation der Wirtschaftszweige befinden sich auf den Internetseiten des » Statistischen Bundesamtes.

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Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft

Die Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft (Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz - WSE) ermöglicht die Abbildung der wirtschaftlichen Tätigkeiten der in einem Wirtschaftsgebiet in der Gesundheitswirtschaft aktiven wirtschaftlichen Einheiten innerhalb einer Berichtsperiode in den Kategorien der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Grundlage dafür ist eine wirtschaftsfachliche Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft in tiefster Gliederung (so genannte Unterklassen [WZ-5-Steller-Ebene]) gemäß der Klassifikation der Wirtschaftszweige.

Zur Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft stehen im Rahmen der amtlichen Statistik verschiedene Datenquellen zur Verfügung. Ziel ist es, die Bruttowertschöpfung und die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft auf Länderebene zu bestimmen, wobei die Passfähigkeit der Daten zu den amtlichen Gesamtrechnungsergebnissen gewährleistet sein muss.

Der von der Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen der Länder (AG GGRdL) entwickelte länderübergreifende Ansatz setzt grundsätzlich auf den methodischen Vorgaben zur Ermittlung regional vergleichbarer Ergebnisse zu Wachstums- und Beschäftigungspotenzialen in der Gesundheitswirtschaft auf, welche durch RANSCHT/OSTWALD [Vgl. 1] gelegt wurden. Die vorliegende Dokumentation [*.pdf] beschreibt den gegenwärtigen Stand der Umsetzung des wirtschaftszweigbezogene Ansatzes zur Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft auf Länderebene.

Die Berechnungen basieren auf Informationen, die von den Arbeitskreisen » Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (AK VGRdL) und » Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder (AK ETR) sowie der Bundesagentur für Arbeit (BA) bereitgestellt werden bzw. im Rahmen weiterer amtlicher Statistiken verfügbar sind. Die für die Umsetzung des länderübergreifenden Ansatzes notwendigen Daten in tiefer wirtschaftsfachlicher Gliederung sind aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht frei verfügbar und stehen der AG GGRdL lediglich zur internen Nutzung für Berechnungszwecke zur Verfügung. Durch das angewandte Verfahren und die Veröffentlichung der Ergebnisse in aggregierter Form ist die Geheimhaltungspflicht gewährleistet.

[1] Ranscht, A.: Quantifizierung regionaler Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Gesundheitswirtschaft - am Beispiel ausgewählter Metropolregionen, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin, 2009; Ostwald, D. A: Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin, 2008.

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) haben die Aufgabe, ein möglichst umfassendes, übersichtlich und hinreichend gegliedertes, quantitatives Gesamtbild des wirtschaftlichen Geschehens einer abgelaufenen Periode wiederzugeben. In dieses Gesamtbild ökonomischer Vorgänge werden alle am Wirtschaftsablauf beteiligten Wirtschaftseinheiten (Personen und Institutionen) eines abgegrenzten Wirtschaftsgebietes (Inland) mit ihren für die Beschreibung des Wirtschaftsablaufs wesentlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten und damit verbundenen Vorgängen einbezogen.

Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz (WSE)

Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft

Wirtschaftszweigklassifikation

Klassifikation der Wirtschaftszweige


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